Läuft euch bei dem Titel „Insekten essen“ das Wasser im Mund zusammen oder eher ein kalter Schauer über den Rücken?

Was hierzulande immer noch außergewöhnlich ist, gehört in anderen Bevölkerungsgruppen zur Normalität. Wir alle sind Menschen und gehören zu gleichen Spezies. Wenn also andere Menschen Insekten essen können, kann es für uns Europäer ja kaum giftig sein, oder?

Zugegeben, bevor ich das erste Mal ein Insekt gegessen habe, war ich auch eher skeptisch. Als ich aber auf der Paleo Convention 2017 ein Stand mit getrockneten Insekten entdeckte, wagte ich den Versuch. Mich kostete es auch durchaus Überwindung, keine Frage. Ich musste erst sehen, wie andere Leute die Insekten gegessen haben (und ihnen nichts passierte…) und erst dann traute ich mich selbst.

Wie schmecken Insekten und welche gibt es?

Maden, Heuschrecken, Heimchen, Grillen und diverse Würmer sind problemlos zu essen und mittlerweile auch über Spezialanbieter in Deutschland zu beziehen. Die getrockneten Insekten zerbröseln im Mund und schmecken tendenziell nach Nüssen und Hühnchen. Der Vorteil bei den Würmern ist natürlich, dass sie weder beine noch ein Gesicht haben. Der Verzehr dieser Insekten ist für das erste Mal sicherlich einfacher.

Wer sich beim besten Willen nicht dazu durchringen kann, die kleinen Viecher zu essen, kann auch Insektenmehl und Insektenriegel verzehren. Es gibt immer mehr Produkte, in denen Insekten verarbeitet werden, sodass sie als solches nicht mehr sichtbar sind.

So aufregend das alles klingt, so unspannend empfinde ich es am Ende. Die getrockneten Insekten bieten keinen langen Kauspaß und sind auch keine Geschmacksexplosion im Mund. Die Gründe dafür sind andere.

Welche Nährstoffe stecken in Insekten?

Was für die kleinen Tierchen spricht, ist zum Beispiel das Nährstoffprofil. Insekten wiegen zwar nicht viel, prozentual betrachtet sind es aber echte Proteinbomben. Bis zu 65-70% (in der Trockenmasse) eines Insektes bestehen aus Protein. Fleisch erzielt in der Trockenmasse gerade mal etwa 50-55% Eiweißgehalt. Dazu kommen ungesättigte Fette, Vitamine (vor allem Vitamin B12) und Mineralstoffe. Im Vergleich zu Fleisch von Rindern, Schweinen, Hühnern & Co. sind Insekten auch reich an Ballaststoffen. Ein echtes Superfood also? Im Prinzip schon!

Einfluss auf die Umwelt

Ich werde nicht müde es in diversen Artikel anzubringen: Umweltschutz. Umweltschutz kann viele Gesichter haben und geht weit über Mülltrennung hinaus. Ein riesiges Problem ist die steigende Anzahl der Weltbevölkerung und der wachsende Konsum von Fleisch. Gerade billige Massentierhaltung ist mir nicht nur wegen der unwürdigen Tierhaltung ein Dorn im Auge. Die Tropenwälder im Amazonasgebiet werden abgerodet, um dort Soja und Mais für die Massentierhaltung zu züchten (nicht etwa um Veganer satt zu machen)! Die Produktion von Insekten verbraucht einen Bruchteil an Wasser und Futter. Es wird nur wenig Platz benötigt und die Insekten haben einen Verzehranteil von 90%. Bei Tieren sind es in der Regel gerade mal 50%. Der CO2-Ausstoß ist ebenso deutlich geringer und dadurch kaum belastend für die Umwelt. Insekten können in der Zukunft wesentlich zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen.

Fazit

Traut euch! Die Bundesregierung hat Insekten mittlerweile als Nahrungsmittel anerkannt und ich freue mich schon auf all die Produzenten, die zukunftsoriente Produkte mit Insekten auf den Markt bringen. Nur weil wir hier in Deutschland aufgewachsen sind, uns Insekten als etwas Ekliges beigebracht wurden, heißt es nicht, dass das auch so ist. Werft eure Prinzipien doch mal über Bord und probiert es einfach aus.