Liest man amerikanische Food-Artikel, stößt man immer häufiger auf das Wörtchen Ghost Restaurants. Das noch junge Geschäftsmodell ist ein Kind seiner Zeit, denn nur durch die Vielzahl an Lieferdiensten und deren Preiskampf konnte das Konzept überhaupt entstehen. Vorreiter in Sachen Ghost Restaurants sind natürlich die USA bzw. die Gebiete rund um die Ostküste und New York, sowie die Westküste der USA.

Was verbirgt sich hinter den Ghost Restaurants?

Der Name sagt es eigentlich bereits, denn es handelt sich tatsächlich um „Geister-Restaurants“. Wer jetzt an Geisterbahnen auf einem Jahrmarkt denkt, liegt jedoch falsch 😉 Es sind Orte mit vollfunktionstüchtigen Küchen und professionellen Köchen. Was fehlt, ist der Gastraum oder besser gesagt, die Bewirtung der Gäste. Ghost Restaurants sind daher eigentlich eher vergleichbar mit Cateringküchen als mit Restaurants. Ausnahme bilden die Varianten, die sich in Restaurants einmieten, die nicht ganztags betrieben werden. Öffnet ein Restaurant erst abends, können sich Betreiber von Ghost Restaurants in der Mittagszeit dort einquartieren.

Die Inhaber solcher Locations sparen sich in erste Linie die Miete für den Gastraum und Personalkosten für Servicekräfte. Auch das Geld für das Interieur, Speisekarten, Deko, Besteck & Co. brauchen sie nicht einkalkulieren. Sie brauchen sich keine Sorgen über Leute machen, die ihr Essen nicht im Restaurant zu sich nehmen, sondern es mitnehmen wollen. Damit verbunden sind die Einnahmen durch Getränke oder Desserts, die bei Selbstabholern fehlen und die Kalkulation erschwert. Ghost Restaurants fokussieren sich allein auf das, was in der Küche passiert.

Ghost Restaurants und die Lieferservices

Wie wir in einem der letzten Artikel zum Thema Lieferservices erwähnten, ist die Zusammenarbeit zwischen Restaurants und Lieferdiensten nicht immer super ertragsreich für die Gastronomen. Vor allem die Provision, aber auch zusätzliches Verpackungsmaterial sorgt dafür, dass am Ende nicht immer eine Win-Win-Situation entsteht. Und genau da setzen die Ghost Restaurants an. Sie produzieren hochwertige Gerichte, nutzen gesunde Zutaten und/ oder verzichten auf Zusatzstoffe und Aromen. Die Qualität ist hoch und kann zu einem relativ günstigen Preis angeboten werden, da all die Zusatzkosten, die ein normaler Restaurantbetrieb mit sich führt, wegfallen. Zudem können in nur einem Ghost Restaurant mehrere Küchenrichtungen angeboten werden, ohne beim Endkonsumenten Zweifel an der Authentizität aufkommen zu lassen.

Die Green Summit Group in New York

Recherchiert man zum Thema Ghost Restaurants, stößt man unweigerlich auf die Green Summit Group. Wahrscheinlich sind auch nicht viele Betreiber sonderlich interessiert daran, dass die Allgemeinheit zu viel zum Thema weiß. Wobei es eigentlich nicht schlimm ist, denn die Bedürfnisse der Konsumenten (Schnelligkeit, Qualität, Frische, Auswahl etc.) werden bedient.

Maya Blue ist bspw. ein solches Ghost Restaurant in New York, das mit der Lieferapp Seamless (zu Grubhub zugehörig) zusammenarbeitet. Die Website wirkt modern, die Zutaten werden von regionalen Bauern bezogen, es wird viel Wert auf eine artgerechte Tierhaltung gelegt. Die Speisekarte ist übersichtlich, die mexikanischen Gerichte hören sich gut an – einzige Besonderheit ist eben, dass es kein Ladengschäft gibt.

Beinahe gleiche Inhalte und Unternehmenswerte liest man auf der Website des Restaurants Butcher Block, das ebenso zusammen mit dem Lieferdienst Seamless, Manhattan und Brooklyn beliefert. Das „Restaurant“ gehört ebenso zur Green Summit Group und so liegt es nahe, dass diese Gerichte in der gleichen Küche zubereitet werden, wie die von Maya Blue. Die Green Summit Group soll um die 50 Köche beschäftigen, da ist Platz für einige dieser Food-Konzepte.

Beets & Roots testet als erstes das Konzept Ghost Restaurant in Berlin

Der Chef vom Beets&Roots hat in Berlin sein erstes Ghost Restaurant in Kreuzberg gestartet. Damit versorgt er ein weiteres Liefergebiet, dass er mit seinem Laden in Mitte sonst nicht erreichen würde. Die Zutaten sind vorbereitet und liegen sozusagen griffbereit in der Küche. Sobald eine Bestellung eintrudelt, werden die Gerichte zusammengestellt und können blitzschnell vom Lieferboy an den Kunden ausgeliefert werden. Die Zusammenarbeit läuft hier mit dem Lieferdienst foodora und, Stand heute, sind die beiden in der Konstellation auch die Einzigen. In wie weit das Konzept des Ghost Restaurants sich hier in Berlin oder auch Deutschland durchsetzen wird, zeigt sich in der Zukunft.

Update: Das GuruCollective etabliert sich als Ghost Restaurant Anbieter in ganz Europa

Angefangen hat alles mit den Green Gurus, die als Anbieter für frische und gesunde Speisen starteten. Kurz nach ihrem Markteintritt zogen sie sich jedoch wieder zurück, um sich neu zu erfinden. Das Ergebnis nennt sich GuruCollective und ist nun ein Anbieter für Ghost Restaurants, der mittlerweile nicht nur in Berlin vertreten ist, sondern in ganz Europa.

Das Angebot der Ghost Restaurants bedient dabei den Küchenrichtungen, die am beliebtesten sind, wie etwa Pizza, Burrito, Curry-Gerichte und Burger. Zudem recherchiert das Team stets neue Konzepte, die dann testweise angeboten werden. Aktuell scheint die Nachfrage nach Hühnchen zu steigen und so wurde das Restaurant BornAgainChicken aufgesetzt.

Interessant ist, dass das GuruCollective nicht nur mit den neuen Lieferdiensten Deliveroo und foodora zusammenarbeitet, sondern auch mit den einst etwas angestaubten Anbietern Pizza.de, Lieferheld und Lieferando.

Fazit

Eigentlich gibt es kaum etwas Schöneres als zusammen mit lieben Menschen in Restaurants zu sitzen, zu reden und gemeinsam zu essen. Die trubelige Zeit wird jedoch gerade in Großstädten zunehmen und der Bedarf an schnell verfügbarem, aber auch gesunden, vollwertigen Gerichten steigt. In einigen Großstädten wie z.B. London gibt es gar Wohnungen, die gar keinen Küchenraum mehr besitzen, um Wohnflächen und somit Mietkosten zu sparen. Betrachtet man sich die Sache aus Konsumentensicht, sind Ghost Restaurants super toll und bedienen eine steigende Nachfrage.

Aus Gastronomensicht würde ich es jedoch kritischer sehen. Ghost Restaurants sind in der Lage deutlich günstiger qualitativ hochwertige Gerichte an den Mann zu bringen. Das setzt Restaurants mit einem vergleichbarem Angebot unter Druck. Das Liefergeschäft ist vielleicht nicht deren Haupteinnahmequelle, aber eben ein Zusatzgeschäft, welches durch den Preiskampf, den die Ghost Restaurants eröffnen, zunichte gemacht werden kann. Aber wie heißt es so schön? Konkurrenz belebt das Geschäft.

Wenn Restaurants nur das Abendgeschäft haben, könnte durch eine Art Untervermietung der Restaurantküche zur Mittagszeit wiederum mehr Auslastung und zusätzliche Einnahmen generiert werden – ein mögliches Geschäftsfeld und Einnahmequelle.

Wie alles auf der Welt, gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille. Die Zeit wird zeigen in welche Richtung sich das Thema entwickeln wird.

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