Da ich vor wenigen Wochen aufgrund einer Sprunggelenksfraktur selbst ein paar Tage im Krankenhaus verbringen „durfte“, konnte ich live miterleben, welche Speisen zumindest gesetzlich-versicherten Patienten gereicht werden. Ich verrate euch nicht zu viel, wenn ich sage, dass es ein absoluter Graus war. Auch wenn meine Erwartungen nicht gerade hoch waren, war ich dennoch echt enttäuscht darüber, was einem da so serviert wird.

Wie sah mein Speiseplan im Krankenhaus aus?

Lebensmittel sollen Mittel zum Leben sein, nur leider ist die Kost in Krankenhäusern meistens das Gegenteil. Am gravierendsten waren für mich die Mittagsangebote, die qualitativ so unterirdisch waren, dass ich sie meist nach dem ersten Bissen hab liegen lassen müssen. Frühstück und Abendbrot bestanden primär aus Brötchen oder Brot mit Aufschnitt, Marmelade oder Honig und eingelegten Salaten.

Davon abgesehen, war es den Schwestern nicht möglich mir vegane Gerichte zu bestellen. Der hauseigene Cateringdienst hat diese Optionen schlichtweg nicht angeboten. Aber unabhängig davon, sollte das Essen doch zumindest ausgewogen und frisch sein.

Interessant ist vor allem, dass der eigene Caterer auf der Website schreibt, dass die Verpflegung „auf der Basis moderner und gesundheits-fördernder Konzepte“ erstellt wird. Ach, Wackelpudding, Wurst und Sahnesoßen sind also gesundheitsfördernd? Ist mir neu! 

Hippokrates sagte einst:

„Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel,
und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“

Das ist für mich der eigentliche Punkt. Gerade, wenn man krank ist, sollte man sich doch Nährstoffe aus dem Essen ziehen (können). Wenn da aber ein totgekochter, rechteckig zugeschnittener Fisch auf deinem Teller landet, ist das sicher weit entfernt davon. Auch die Kartoffelsuppe hat wohl nie echte Kartoffeln gesehen, sondern lediglich Pulver, Aromen und Farbstoffe. Selbst die Cafeteria überzeugte mit „Leckereien“ wie Bockwurst mit Kartoffelsalat und Bulette mit Senf. Sorry, aber ich verstehe das einfach nicht!

Die Salate hat mir übrigens meine liebe Bettnachbarin immer mitbestellt.
Kartoffelsuppe des Grauens… hingegen war das Brot immer lecker und meistens auf Vollkornbasis

Irgendwann an Tag 3 (von 5) entdeckte ich zusammen mit einer Schwester, dass es noch ein paar Eintöpfe ohne Fleisch gibt, die täglich angeboten werden. Mein Karotteneintopf wurde sofort zum neuen Lieblingsessen deklariert.

Das Catering im Krankenhaus muss optimiert werden

Mir ist klar, dass ich kein Sterne-Essen erwarten kann. Oftmals liegt das Budget pro Mahlzeit pro Person gerade mal bei etwa 3 EUR.

Dennoch kann ein Krankenhaus nicht diesen o.g. Speiseplan anbieten. Auch wenn die Doku „What The Health“ primär das Thema vegane Ernährung aufgreift, werden auch viele Menschen vorgestellt, die mit Zivilisationskrankheiten zu kämpfen haben. Die ungesunde Ernährung mit verarbeitetem Fleisch, wie auch Wurst, Milchprodukten, zu viel Zucker und gehärteten/ ungesunden Fetten machte diese Leute krank. Der Wechsel zur veganen Ernährung ermöglichte ihnen, dass sich ihre Gesundheit deutlich besserte und Medikamente der Vergangenheit angehörten! Auch wenn in Krankenhäusern natürlich vielschichtigere Krankheiten behandelt werden, bin ich fest davon überzeugt, dass auch dann Produkte aus der Natur unterstützend wirken.

Keine Änderung in den letzten 110 Jahren

Bei einem Besuch der Beelitz Heilstätten wurde uns ein damaliger Speieplan gezeigt. Fällt euch was auf? Richtig, in den letzten 110 Jahren hat sich irgendwie nicht viel getan. Da haben die Lobbyisten der Fleisch- & Milchmafia und der Großkonzerne wohl überzeugende Arbeit und Geldspenden geleistet. Aber abgesehen von den Produzenten, muss man eben auch deutlich sagen, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Diese Billig-Mentalität in Deutschland hat die Produktion von minderwertigen Fleischwaren aus Massentierhaltung im Prinzip herauf beschworen. Es wird Zeit für ein massives Umdenken.

Wenn ich ein Krankenhaus führen würde…

Ich würde mich tatsächlich gerne mal mit einer echten Kalkulation auseinandersetzen, da es sich die Verantwortlichen aus meiner Sicht viel zu einfach machen. Die Basis der Verpflegung wäre bei mir rein pflanzlich mit vielen Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten, aber wenig Soja und keine Fleischersatzprodukte. Ich höre gerade schon die Fleischliebhaber aufschreien… aber wir befinden uns in Krankenhäusern, die gesund machen sollen und nicht in den eigenen vier Wänden oder einem All-Inclusive-Hotel.

Aufgrund des geringen Budgets pro Kopf wäre eh nur billiges Fleisch aus Massentierhaltung finanzierbar. Da das Fleisch aber vollgepumpt mit Antibiotika ist und Massentierhaltung in keiner Weise unterstützenswert ist, gibt es für mich da keine zwei Meinungen.

Patienten könnten aber in Ausnahmefällen gegen einen Aufpreis (Selbstzahler) Fleisch- und Milchprodukte aus artgerechter Haltung dazu buchen, wenn sie es gar nicht ohne dem aushalten. Wer das nötige Kleingeld nicht hat, darf sich auf eine vollwertige vegane Gerichte freuen. 🙂 Und ich wette, dass das Peis-/Sättigungsverhältnis (Worterfindung einer lieben Freundin) passt und unter 3 EUR liegen würde.

Eine Ernährung angepasst auf die Krankheitsbedürfnisse

Gerne möchte ich noch einen Schritt weiter gehen. Ich bin ebenso überzeugt davon, dass sich die gezielte Zuführung bestimmter Nährstoffe positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Sicherlich ist der Körper ein komplexes Konstrukt, das bei weitem noch nicht vollständig erforscht ist. Aber wenn der Körper zum Beispiel Knochen bauen muss, erscheint es mir logisch ihn mit vermehrt mit entsprechenden Nährstoffen zu versorgen aus denen der Knochen besteht.

Neben gesundheitsfördernden Produkten aus der Natur, würde ich zum Beispiel auch Patienten mit wuchernden Zellen (wie Krebs) Milchprodukte verbieten. Milch enthält Wachstumshormone, die Zellen zum Wachsen anregen. Ob das gut- oder bösartige Zellen sind, ist den Wachsturmshormonen egal, aber mir wäre es das nicht.

Ich bin leider weder Medizinerin noch Ernährungswissenschaftlerin, daher will ich diesen ernährungsmedizinischen Part auch nicht zu ausschweifend betrachten. Am Ende sind es nur meine Thesen und Gedanken. Die Studienlage ist nicht eindeutig im Hinblick darauf, ob bspw. kalziumreiche Nahrung bei Knochenbrüchen unterstützend wirkt. Aber was Studien angeht, vertrete ich gerne die Meinung „Glaube keiner Studie (auch austauschbar mit Statistiken), die du nicht selbst gefälscht hast!“.

Fazit

Nicht alle Krankenhäuser bieten derart schlechtes Essen an. Es gibt natürlich auch welche, bei denen die Ernährung deutlich besser aussieht. Durch die Privatisierung der Krankenhäuser stehen jedoch vermehrt wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Ich sehe das gleiche Ernährungsproblem übrigens auch beim Schul- und Kantinenessen und auch in Pflegeeinrichtungen oder Altersheimen. Wenn Ernährung einen höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft hätte, wäre die Lage sicherlich eine andere. Nichtsdestotrotz sehe ich diesen Zustand wie ich ihn erlebt nicht als tragbar an und möchte hiermit zum Umdenken anregen.

Ein recht "normales" deutsches Frühstück im Krankenhaus - immerhin mit einem frischen Stück Obst.
Ein recht „normales“ deutsches Frühstück – immerhin mit einem frischen Stück Obst. Warum gibt es aber kein Porridge oder auch Over-Night-Oats? Haferflocken sind super günstig, haben viele Nähr- und Ballaststoffe und lassen sich perfekt vorbereiten.
Das Abendbrot am ersten Abend konnte ich noch nicht selbst auswählen. Während das Brot einen ganz guten Eindruck macht, hinken die beiden Freunde Salami und Käse deutlich hinterher.